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Alarmierender Schwund: Zahl der Apotheken auf niedrigstem Stand seit 40 Jahren

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Eine Apotheke in der Nähe ist für Millionen Menschen wichtig. Doch das Netz schrumpft schon seit einigen Jahren. Geht das so weiter?  

Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt weiter und ist unter die Marke von 18 000 gefallen. Ende März gab es bundesweit noch 17 939 Apotheken - das war der niedrigste Stand seit mehr als 40 Jahren, wie aus Daten der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände von Dienstag hervorgeht. Seit Ende vergangenen Jahres gab es damit weitere 129 Apotheken weniger: 17 Neueröffnungen standen 146 Schließungen im ersten Quartal 2023 gegenüber. Erfasst werden jeweils Hauptapotheken und Filialen, von denen Apotheker bis zu drei betreiben können. Die Branche forderte angesichts einer oft anspannten Finanzlage lange ausgebliebene Honorar-Anhebungen.

Apothekenschließungen wirken sich auf Versorgungsqualität aus

Der Vize-Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Hans-Peter Hubmann, sagte: "Jede einzelne Apothekenschließung wirkt sich direkt auf die Versorgungsqualität der Patienten aus". Nun stelle sich die Frage, wie lange eine hochwertige Versorgung unter den jetzigen Bedingungen flächendeckend aufrechtzuerhalten sei. Erschwert werde dies durch einen verschärften Fachkräftemangel, den demografischen Wandel, schleppende Digitalisierung und bürokratische Belastungen. Die seit zehn Jahren nicht erhöhte Pauschale von 8,35 Euro pro rezeptpflichtigem Medikament für Beratung müsse auf 12 Euro steigen. Sie müsse zudem regelmäßig an die Kostenentwicklung angepasst werden.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) erklärte dazu, die Vergütung der Apotheken steige unaufhörlich Jahr für Jahr - nämlich aufgrund immer höherer Preise für die einzelnen Arzneimittel. "Denn zusätzlich zu der Pauschale erhält die Apotheke von den Krankenkassen drei Prozent vom Apothekenverkaufspreis", sagte Sprecher Florian Lanz der Deutschen Presse-Agentur. So bekomme ein Apotheker zum Beispiel für die Herausgabe eines Krebsmittels mit einem Verkaufspreis von 10 434 Euro ein Honorar von 261,81 Euro pro Packung. "Mit jeder Preissteigerung, mit jedem neuen, teureren Medikament steigt auch das Honorar des Apothekers."

Niedrigster Stand seit über 40 Jahren 

Die Beschäftigtenzahl in den Apotheken ging nach Branchenangaben im vergangenen Jahr leicht auf 159 352 zurück. An Patienten abgegeben wurden 1,4 Milliarden rezeptpflichtige und rezeptfreie Arzneimittel. Der Gesamtumsatz der Apotheken stieg auf knapp 64,9 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn vor Steuern einer durchschnittlichen Apotheke sank demnach auf 162 890 Euro. Für dieses Jahr erwartet der Verband Mehrbelastungen von 10 000 Euro durch höhere Tariflöhne. Die aktuelle Apothekenzahl sei die niedrigste seit 1980 mit damals zusammen genommen 17 818 Betriebsstätten in der Bundesrepublik und der DDR.

Der GKV-Spitzenverband sprach von einem Konzentrationsprozess auf größere Apotheken, die im Vergleich zu früheren Jahren mit mehr Personal Menschen mit Medikamenten versorgten und auch Drogerieprodukte verkauften - und dies trotz einer zunehmenden Bedeutung des Onlinehandels.

Quelle: dpa

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