Keipen-Brand am Ballermann

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Ein Jahr nach Ballermann-Brand: Kegelbrüder zittern weiter

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Vor einem Jahr sorgte ein Kneipen-Brand auf Mallorca für Aufsehen. In Spanien und in Deutschland. Deutsche Kegelbrüder wurden der Tat beschuldigt. Sie müssen immer noch zittern, denn die Ermittlungen laufen weiter. Aber auch die betroffene Wirtin leidet noch immer. 

Ein Jahr nach dem aufsehenerregenden Kneipen-Brand am Ballermann ist der Alptraum weder für die der Tat beschuldigten Kegelbrüder aus dem Münsterland noch für das Hauptopfer zu Ende. Das Ermittlungsverfahren läuft auf Mallorca weiter, den 13 vorwiegend jungen Beschuldigten drohen ein Prozess sowie Haftstrafen von teils bis zu drei Jahren wegen fahrlässiger Brandstiftung. Zum Jahrestag des Brandes brachen die Verdächtigen ihr Schweigen und veröffentlichten über ihre Anwälte eine gemeinsame Stellungnahme, in der sie versichern: "Wir haben von Anfang an mit den spanischen Behörden kooperiert und werden dies auch weiterhin tun."

Ein Jahr nach Mallorca-Alptraum: «Kegelbrüder» brechen Schweigen

Die acht Männer, die auf Mallorca wegen Brandstiftung in Untersuchungshaft gesessen haben, stehen nach ihrer Ankunft in Deutschland auf dem Flugfeld auf dem Flughafen Münster-Osnabrück zusammen. 

© Helmut P. Etzkorn/dpa
× Ein Jahr nach Mallorca-Alptraum: «Kegelbrüder» brechen Schweigen

Den Deutschen wird vorgeworfen, am 20. Mai vorigen Jahres kurz nach ihrer Ankunft einen Brand in der Nähe des Ballermanns an der Playa de Palma ausgelöst zu haben. Sie sollen vom Balkon ihrer Hotelzimmer brennende Zigaretten und Alkohol auf das Schilfdach der Terrasse der darunterliegenden Gaststätte "Why not Mallorca" geworfen haben. Die von Deutschen betriebene Bar wurde zerstört. Ein Bordell, eine Privatwohnung und Teile des angrenzenden Hotels wurden ebenfalls beschädigt. Die Touristen weisen aber jede Schuld von sich.

Anlässlich des Jahrestages sagte die Wirtin vom "Why not Mallorca" der "Mallorca Zeitung": "Wenn einer in der Nachbarschaft grillt, breche ich in Panik aus." Beim Gedanken an das Feuer konnte die Kölnerin Alice Klotz die Tränen nicht unterdrücken, berichtete das Blatt. Sie und ihr Mann Bernd kämpfen weiterhin gegen das schlechte Benehmen vieler Hotelgäste, die nach Angaben der Wirte täglich Müll und glühende Kippen auf die frisch renovierte Terrasse werfen. Den Schaden des Brandes schätzen sie auf 60 000 Euro - den 133-tägigen Betriebsausfall auf der Terrasse nicht eingerechnet. Sie sei in psychologischer Behandlung, so die Wirtin. Die Saison sei zum Glück gut angelaufen. "Wir haben den Playa-Traum noch nicht begraben."

Gruppe beteuert, nicht für Leiden verantwortlich zu sein 

Die beschuldigten Deutschen beteuern aber, sie seien nicht für das Leiden des 2021 ausgewanderten Ehepaars verantwortlich. Niemand aus der Gruppe habe den Brandort fluchtartig verlassen, wie in Medien zu lesen und zu hören war, versichern sie in ihrer Mitteilung. "Im Gegenteil: Einzelne Mitglieder unserer Gruppe haben andere Hotelgäste gewarnt und die Einsatzkräfte bei der Verkehrsleitung unterstützt." Als die Flammen unter Kontrolle waren, sei man "unaufgefordert von der Strandpromenade zum Hotel zurückgekehrt". Man habe zudem "alle Fragen umfangreich vor Ort beantwortet".

Die Gruppe bestand aus 13 Urlaubern. Einer von ihnen war bereits am Tag nach dem Brand ohne Auflagen auf freien Fuß gesetzt worden. Vier weitere hatten das Gefängnis nach rund zweieinhalb Wochen auf Kaution verlassen dürfen. Die restlichen acht saßen rund zwei Monate in Untersuchungshaft, bevor sie in die Heimat zurückfliegen durften.

Die Deutschen versichern, sie hätten "nach wie vor Vertrauen in die spanische Justiz". Man bleibe daher "optimistisch" und hoffe "auf einen guten Ausgang nach vollständiger Würdigung aller relevanten entlastenden Gesichtspunkte". "Vieles erscheint uns noch aufklärungsbedürftig", betonen sie aber. Die spanischen Medien hätten unter anderem berichtet, dass sich "auf der Außenterrasse des dritten Stockwerks des Hotels whala!beach vor der Brandentstehung zwei männliche Personen befanden, von denen eine geraucht hat". Einem Antrag "auf Anhörung der auf dem entsprechenden Foto erkennbaren Zeugen" sei zum Beispiel noch nicht entsprochen worden.

Quelle: dpa

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