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Aus von G+J-Zeitschriften: Funke-Verlegerin will Magazine retten

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Funke-Verlegerin Julia Becker hat den Konkurrenten Bertelsmann für dessen Einstellungspläne zahlreicher Gruner + Jahr-Zeitschriften kritisiert.  

In einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag) schlug die Aufsichtsratsvorsitzende der Funke-Mediengruppe zugleich einen Runden Tisch von Verlegerinnen und Verlegern vor. "An ihm könnten wir gemeinsam mit Journalistinnen und Journalisten, Managern, Verbandsvertretern und Wissenschaftlern Wege suchen, unabhängigen Journalismus zu retten." Funke werde diese Initiative auf den Weg bringen.

Gesellschafterin Becker schrieb in dem Beitrag mit der Überschrift "Mehr Mut!": "Die Entwicklungen bei Gruner + Jahr treffen unsere Branche ins Herz. Das Zerschlagen eines traditionsreichen und bedeutenden Verlags und das Verschwinden vieler großer und kleiner Magazinmarken kann uns nicht egal sein."

20 Zeitschriften sollen gestrichen werden 

Vor knapp zwei Wochen hatte der Medienkonzern RTL Deutschland, der die Magazinsparte des Hamburger Verlagshauses Gruner + Jahr zum Jahr 2022 übernommen hatte, nach einer Portfolioüberprüfung das Aus von mehr als 20 Zeitschriften bekanntgemacht. Zudem sollen mehrere Magazine verkauft werden, insgesamt würden rund 700 der 1900 Stellen wegfallen. RTL will sich auf Kernmarken wie "Stern" oder "Geo" konzentrieren und dort ins Digitale investieren. RTL erhofft sich Synergien beider Häuser. Gruner + Jahr und RTL zählen zum Portfolio von Bertelsmann in Gütersloh.

Verlegerin Becker richtete ihre Kritik auch direkt an Bertelsmann-und RTL-Chef Thomas Rabe. "Wir Verlegerinnen und Verleger müssen natürlich auch auf die Zahlen schauen – unabhängig kann Journalismus nur sein, wenn er profitabel ist. Was uns aber treibt, sind vor allem Inhalte und die Resonanz unserer Leserinnen und Leser." Kreative Verlage hätten längst erkannt, "dass hier eine enorme Chance liegt: Dank des Netzes können sie so viele Leserinnen und Leser erreichen, wie niemals zuvor." Und weiter schrieb Becker: "Bertelsmann unter Chefcontroller Rabe hat diesen Kampf offensichtlich aufgegeben."

Anders sei es nicht zu erklären, dass das Management auch Titel einzustellen beabsichtige, die Gewinne schreiben. "Statt kreative Ideen zu ihrer inhaltlichen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung zu suchen, wird mutlos der Rückzug angetreten."

Die Verlegerin formulierte auch: "So viel ist spätestens seit dem Fall Bertelsmann klar: Mit eindimensionalem Zahlendenken hat unsere Branche keine Zukunft. Gefordert ist ein neues verlegerisches Denken, das visionär, tatkräftig und begeistert die Herausforderungen der Digitalisierung an- und den Kampf um die Rettung des Journalismus aufnimmt." Es brauche "Manager, die nicht nur für Zahlen, sondern vor allem für Journalismus brennen." An anderer Stelle des Beitrags: "Journalistische Titel alleine unter (überzogenen) Renditeerwartungen zu beurteilen ist reines Controller-Denken."

Mit Blick auf den Gastbeitrag sagte ein RTL-Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur: "Wir äußern uns grundsätzlich nicht über andere Verlage und deren Strategien."

Zu Funke mit Sitz in Essen gehören zahlreiche Regionalzeitungstitel wie das "Hamburger Abendblatt" und die "Berliner Morgenpost", zudem viele Zeitschriftenmarken wie "Hörzu", "Gong", "Bild der Frau", "Donna" und "Kronendach".

Quelle: dpa
 

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