Medienkonzern Axel Springer

Medien

Putsch bei BILD: Wer sind die neuen Chefs?

Teilen

So einen Putsch in einer Chefredaktion, wie diese Woche bei der ''BILD'', hat es in Deutschland noch nie gegeben: Nur 15 Minuten bevor der Wechsel in der Chefredaktion von BILD bekannt gegeben wurde, erfuhren die alten Chefs erst von ihrer Ablöse. 

Es war ein eiskalter Coup von Springer-Chef Mathias Döpfner, der die gesamte Führungs-Spitze von BILD mit einem Schlag abgelöst hat – ohne das mit den Betroffenen vorher zu besprechen.

Warum mussten die bisherigen BILD-Chefs gehen – nach geheimen BILD-Insider-Informationen aus diesen Gründen:

  • Der eigentliche BILD-Chefredakteur Johannes Boie wurde gefeuert, weil er keine Erfolge sondern nur stark sinkende Auflagezahlen vorweisen konnte. Boie hatte redaktions-intern den Spitznamen „Weich-Ei“. Er kam direkt aus dem Büro Döpfner (war dessen Assistent) und sollte die BILD nach den Aufregungen um die – nie erhärteten – Missbrauchs-Vorwürfe gegen Ex-Chef Julian Reichelt wieder in „ruhigere Gewässer“ führen. Nur: „Ruhigere Gewässer“ sind für eine Boulevard-Zeitung tödlich. Boie bekam die BILD nie in Schuss, war deshalb nur ein halbes Jahr im Amt.
  • Seine Co-Chefredakteurin Alexandra Würzbach wurde gefeuert, weil sie „zu unauffällig“ war. Tatsächlich kam sie kaum zur Geltung, hatte einfach kein Chef- und Führungs-Gen.
  • Der dritte gefeuerte BILD-Chefredakteur, Claus Strunz, musste gehen, weil das von ihm geleitete BILD-TV chronisch unerfolgreich war. BILD-TV schaffte nur 0,2 % Marktanteil – das österreichische Vorbild oe24-TV hat in Österreich aber zwischen 1,3 und 2,3 Prozent Marktanteil – das Zehnfache. Weil die Kosten bei BILD-TV explodierten, die Quoten aber implodierten wurde die gesamte LIVE-Reporter-Schiene von BILD-TV eingestellt – gegen den Protest von Strunz. Jetzt spielt BILD-TV nur noch fade Dokus, dafür braucht Strunz niemand mehr - er wurde schlicht eingespart.

Die neue BILD-Krise ist eine persönlich sehr schwere Niederlage für Axel Springer-Vorstand Mathias Döpfner. Der erfolgreiche Julian Reichelt wurde von ihm für „Me Too“ geopfert, Johannes Boie (sein Assistent) war seine Erfindung. Boie und Döpfner steuerten BILD in die Krise – Döpfner musste die Reißleine ziehen, bevor der Aufsichtsratz ihn selbst zur Verantwortung zieht.

Jetzt kommt mit Marion Horn ein wahres „BILD-Urgestein“ an die Spitze des Boulevard-Riesen. Horn ist ein „Oldie“, schon deutlich über 50, seit 25 Jahren bei Springer, seit 10 Jahren in der BILD-Chefredaktion – schied aber 2019 im Streit mit Julian Reichelt aus. Sie gilt als brutaler Gegner der bei BILD verbliebene „Reichelt-Partie“.

Journalistin Marion Horn

Marion Horn übernehmt mit sofortiger Wirkung den Vorsitz der Chefredaktion

© Markus Scholz/dpa
× Journalistin Marion Horn

Marion Horn gilt als Vertreterin der „alten“ BILD-Schule. Sie ist eine der besten People- und Society-Redakteurinnen Deutschlands. Sie wird die BILD vom eher brutalen Politik-Kurs der letzten Jahre zurück auf einen eher unpolitischen People-Kurs führen. Heißt: Ab sofort stehen Promi-Skandale, Love-Affairs, Society-Dramen wieder an erster Stelle bei BILD.

In Kürze bekommt Horn einen neuen Co-Chefredakteur: Robert Schneider kommt von Focus. Schneider ist in der BILD-Redaktion bereits vor dem Start höchst umstritten – er gilt als „Playboy“, wurde sogar verdächtigt, Drogen zu konsumieren, mußte deshalb vor der Vertrags-Unterzeichnung für den Springer-Vorstand sogar einen Drogen-Test (!) machen. Schneider soll künftig für die politische Note von BILD verantwortlich sein.

Das Problem von Marion Horn und Robert Schneider: Beide sind keine Digital-Profis, also nicht die Ideal-Besetzung für BILD-Online. Und beide polarisieren in der BILD-Redaktion extrem. Der nächste Führungs-Krach und Führungs-Wechsel bei BILD ist wohl nur eine Frage von ein paar Monaten.

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.