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Landkreise in Sachsen-Anhalt schlagen Migrations-Alarm

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Sachsen-Anhalts Kommunen stoßen bei der Unterbringung und Betreuung von jungen Flüchtlingen zunehmend an Grenzen.  

Vor Ort fehlt häufig Fachpersonal, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Landkreisen und kreisfreien Städten ergab. Nach Angaben des Sozialministeriums betreuten die Jugendämter in Sachsen-Anhalt am Jahresende 2022 insgesamt 513 unbegleitete ausländische Kinder und Jugendliche.

Vervierfachung der Neuaufnahmen in Börde 

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum habe man im ersten Quartal 2023 eine Vervierfachung der Neuaufnahmen zu verzeichnen, teilte der Landkreis Börde auf Anfrage mit. Es sei «mit einem enormen Anstieg der Fallzahlen zu rechnen». Die Herausforderung sei unter anderem, die unbegleiteten minderjährigen Ausländer «in ein überfordertes und ausgereiztes Bildungs- und Gesundheitssystem einzuführen und zu integrieren».

So sieht die Situation in den einzelnen Kreisen aus

Im Harz gibt es ähnliche Themen. Die Schulen könnten nicht ausreichend auf den besonderen Bedarf dieser Personengruppe eingehen, teilte der Landkreis mit. Dies lasse der Mangel an Lehrkräften nicht zu. Die Stadt Dessau-Roßlau nennt wie viele andere Kommunen fehlende Unterbringungskapazitäten und den Fachkräftemangel als Probleme. Im Saalekreis gibt es beispielsweise nur eine Einrichtung für die jungen Geflüchteten. Deren Kapazität sei größtenteils ausgeschöpft, sagte eine Sprecherin. Es fehle qualifiziertes Personal, zudem Sprachkurse und auch Sport- und Freizeitangebote.

Ähnlich beurteilt der Altmarkkreis Salzwedel die Situation. «Es sind keine Plätze in den Einrichtungen frei, es ist nicht genügend Personal vorhanden», hieß es. Im Salzlandkreis, der im vergangenen Jahr 49 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufgenommen hat, geht man in diesem Jahr von einer Verdopplung der Zahlen aus. Die Kapazitäten für Unterbringung und Versorgung seien «im Grenzbereich».

«Die größten Herausforderungen liegen in der Beschulung, psychologischen Versorgung und Zuweisung», sagte ein Sprecher des Landkreises Stendal. Für den Spracherwerb sei oftmals eine zusätzliche Förderung nötig. Zudem sei es eine Herausforderung, die jungen Menschen dafür zu sensibilisieren, psychologische Hilfsangebote auch anzunehmen.

Die Stadt Halle bemängelt zudem langwierige Abstimmungen zwischen den beteiligten Behörden. Diese würden sich auch auf die Erstregistrierung bei der Ausländerbehörde auswirken. Dort werden Dokumente ausgestellt, um zum Beispiel Leistungen bei der Krankenversicherung und zum Lebensunterhalt beantragen zu können.

Im Landkreis Jerichower Land wurden 2022 15 junge Geflüchtete aufgenommen. «Im ersten Quartal diesen Jahres waren es 21», teilte der Landkreis auf Anfrage mit. Im Landkreis Mansfeld-Südharz werden aktuell 36 unbegleitete minderjährige Ausländer betreut. Vorgaben des Bundes zum Betreuungsschlüssel seien mit den vorhandenen Personalressourcen «nicht mehr einlösbar», hieß es. «Dem Bund und dem Land ist diese Situation seit Monaten bekannt.»

Im Landkreis Wittenberg sind laut der Verwaltung aktuell ausreichende Kapazitäten vorhanden. Bei steigenden Zuweisungszahlen würden die Kapazitäten aber nicht mehr ausreichen, teilte der Landkreis mit.
 

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