WM 2022 - Rückreise DFB

Sport

Bierhoff im
Kreuzfeuer der Kritik

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Nach Deutschlands blamablem WM-Aus braut sich ein Sturm über DFB-Direktor Oliver Bierhoff zusammen.

Das WM-Scheitern - wie 2018 erneut bereits in der Vorrunde - hallt nach. Deutschlands Trainer Hansi Flick ist abgetaucht. Ebenso Sportdirektor Oliver Bierhoff, der ganz besonders im Kreuzfeuer der Kritik steht. Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der beide genannten Personalien für Mitte der Woche zum Rapport einbestellt hat. Aktuell mag Neuendorf "keine Wasserstandsmeldungen abgeben". Der Verbandsboss will erst wieder "mit einem Ergebnis" auf der öffentlichen Bühne erscheinen.

Flicks und Bierhoffs Zukunft trotz gültiger Verträge hatte er bei seinem Schluss-Statement vor dem Rückflug des DFB-Trosses am Freitag explizit offen gelassen. Der DFB-Boss verlangt von ihnen eine klare WM-Analyse, aber ebenfalls die Entwicklung von "Perspektiven für die Zeit nach dem Turnier mit dem Blick auf die Europameisterschaft im eigenen Land".

»Braucht Mannschaft, mit der man sich identifizieren kann«

Eines ist klar: Hinter den Kulissen brodelt es. Es geht längst um Schuldfragen, um Umwälzungen und um entschlossenes Handeln. Philipp Lahm bewertet das deutsche WM-Erscheinungsbild als Katastrophe. Der 39-Jährige Ex-Kapitän registriert die WM-Gleichgültigkeit der Deutschen und die Abwendung von ihrem Lieblingsteam. Lahm fürchtet als Turnierdirektor um das von ihm geplante Fußball-Fest bei der Heim-Europameisterschaft 2024. "Am Ende braucht es eine Mannschaft, mit der man sich identifizieren kann", schrieb der Weltmeister von 2014 in einer Kolumne für das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Mit Flick als Trainer? Und mit Bierhoff als Manager?

Am Sonntag stand Jürgen Klinsmann in Katar vor einer FIFA-Werbewand. Der ehemalige Bundestrainer lächelte in seiner typischen Sonnyboy-Art in die TV-Kamera von "Sport1", als er in einer Live-Schalte die DFB-Krisenlage analysieren sollte. Der 58-Jährige sieht keine Parallele zur Stunde Null bei seinem Amtsantritt nach dem EM-Desaster 2004, nur zwei Jahre vor der Heim-Weltmeisterschaft. "Jetzt alles über den Haufen zu werfen, ich weiß nicht, ob dies das Richtige ist. 2004 war das eine ganz andere Situation. Damals war es wirklich nötig, einen kompletten Umbruch zu machen", sagte Klinsmann.

Experten-Duo hält an Flick fest

Nun votiert er lediglich für "einen kleinen Umbruch" beim Spielerpersonal. "Wir haben viele Spieler, die sind Mitte 20, die haben das ganz Große noch vor sich", ist Klinsmann überzeugt. Flick hält er nach wie vor für die richtige Person im Traineramt. "Ich denke, dass Hansi Flick ein sehr guter, feiner Trainer ist und auch ein feiner Mensch. Das hat er bewiesen beim FC Bayern."

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus plädierte auch für eine zweite Chance für Flick. "Hansi zieht die richtigen Schlüsse und ist für mich der richtige Mann für 2024", sagte der 61-Jährige bei "Bild TV". Er sehe auch "keine bessere, verfügbare Alternative". Bierhoff steht laut Matthäus hingegen zu Recht in der Kritik, schließlich stimmten die Ergebnisse seit fünf Jahren nicht mehr. "Also muss man fragen, ob er noch der Richtige ist! Natürlich liegt es auch in seiner Verantwortung, dass das Binden-Thema eskalierte."


 

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