Kahn mit Meister-Befehl und Wunder-Hoffnung

12.04.2023

Das war's wohl. Oder doch nicht? Der FC Bayern braucht zum Einzug in das Halbfinale der Champions League ein Fußball-Wunder. Trainer Thomas Tuchel ist «schockverliebt». 

Zur Vollversion des Artikels
© Angelika Warmuth/dpa
Zur Vollversion des Artikels

Manchester (dpa) - Im festlichen Ballroom des Clocktower Hotels zeigte Oliver Kahn eindringlich seine legendäre «Weiter, weiter, immer weiter»-Mentalität. «Ich habe im Fußball schon Unglaubliches erlebt», sagte der Vorstandschef des FC Bayern nach der 0:3-Abreibung bei Manchester City im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League. «Wir haben die Pflicht, in diesem Rückspiel nochmal alles, was möglich ist, reinzuwerfen.»

Die klare Niederlage gegen den Königsklassen-Favoriten des ehemaligen Münchner Trainers Pep Guardiola schmerzte - und war für die Bayern-Delegation bei Austern, Beef Wellington oder Quinoa Power-Salat in der Nacht zum Mittwoch immer noch schwer zu greifen. Auf der einen Seite schnupperte die ohne Kapitän Thomas Müller in das Spiel gestartete Elf bei den Distanzschüssen von Leroy Sané zwischenzeitlich am Ausgleich. Auf der anderen Seite hätte sie aber auch eine noch höhere Niederlage kassieren können. Das Spiel sei ein «bisschen eklig zu analysieren», sagte Kapitän Thomas Müller. 

«Wir werden da wieder draus lernen, aufstehen und im Rückspiel alles versuchen. Aber ist natürlich eine miserable Ausgangssituation», sagte Leon Goretzka. Rodri hatte Manchester City in der 27. Minute in Führung gebracht. Bayerns Dayot Upamecano leitete mit einem schweren Patzer das 0:2 durch Bernardo Silva (70.) ein. Superstürmer Erling Haaland (76.), Vorbereiter beim 2:0, traf zum 3:0 für Manchester. «Wir haben drei fantastische Tore geschossen, es ist ein hervorragendes Ergebnis», frohlockte Guardiola.

Nach dem Aus im Pokal spricht nun nicht viel für eine weitere Runde der Münchner in Europas Bestenliga. Das Ergebnis habe den Bayern «einen Schlag in die Magengrube verpasst», sagte Müller, der in dieser besonderen Güteprüfung überraschend zunächst auf der Bank saß. «Natürlich will jeder dabei sein», sagte Müller. Aber gerade als Kapitän gehe es nicht um Einzelfragen. «Es ist eine Entscheidung, mit der man nicht super-happy ist, aber sehr gut umgehen kann.»

Das war mit dem Ergebnis eine Woche nach dem Pokal-Aus gegen den SC Freiburg weniger leicht. Auch ohne die Chance auf den Pokal-Titel und nach einem schlechten Ergebnis in der Champions League habe man gesehen, «dass wir guten Fußball spielen», sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic. «Wir brauchen ein bisschen Zeit, auch die Mannschaft mit dem neuen Trainer.» Das Risiko der Trennung von Julian Nagelsmann zahlt sich zumindest für diese Saison nicht aus. «Ich glaube trotzdem, dass wir vom neuen Trainer noch sehr profitieren werden», sagte Joshua Kimmich.

Tuchel hat eine schwierige Startphase erwischt. Trotz der Pleite bei City lobte er aber ausgiebig sein immer noch neues Team. «Ich weigere mich, da irgendwie die Leistung schlechtzureden. Ich habe eine sehr, sehr gute Leistung gesehen bis zur 70. Minute. Ich bin hochzufrieden», sagte der 49-Jährige. 

Es sei natürlich ein ganz bitteres Ergebnis, das sie erstmal verdauen müssten, räumte Tuchel ein, der als neuer Bayern-Coach vor einer Woche erst im Viertelfinale des DFB-Pokals ausgeschieden war. Er habe schon das volle Programm bekommen, meinte Tuchel, «aber heute bin ich schockverliebt in meine Mannschaft». Es habe Spaß gemacht, sie zu coachen. 

Ein Blick in die Historie der Champions League kann den Fans des FC Bayern nach der Pleite bei Manchester City zumindest ein wenig Hoffnung machen. Zwar steht der deutsche Fußball-Rekordmeister mit der Hypothek des 0:3 im Hinspiel am Dienstagabend im Rückspiel in der kommenden Wochen enorm unter Druck - einen solchen Rückstand haben aber auch schon andere Teams aufgeholt. 

Zur Vollversion des Artikels