Boris Becker

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Becker: ''Nur durch Lilians
Liebe überlebt''

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Klare Ansage im ersten Interview nach sieben Monaten Gefängnis: Tennis-Legende Boris Becker zeigt Reue - anders als damals im Zeugenstand.

"Ich bin ziemlich sicher, dass das das ehrlichste Interview sein wird, das Boris Becker jemals gegeben hat", sagte TV-Moderator Steven Gätjen zu Beginn einer ganz besonderen Spezialsendung auf Sat.1. Erstmals seit seiner Rückkehr aus dem englischen Gefängnis gab Tennis-Star Becker Auskunft über die letzten Monate. Der 55-Jährige bekannte sich im vorab aufgenommenen und Dienstagabend aufgenommenen Interview prompt öffentlich zu seiner Schuld.

»Hätte auch viel schlechter laufen können«

"Natürlich war ich schuldig", sagte Becker und zeigte sich selbstkritisch. "Vielleicht habe ich nicht genügend Reue gezeigt im Zeugenstand", sagte er. Seine Anwälte hätten alles versucht, sein "Leben zu retten". Er sei beraten worden, was er auszusagen habe und was nicht. "Es hätte besser laufen können - aber es hätte auch viel schlechter laufen können."

Der aus dem baden-württembergischen Leimen stammende Becker war Ende April von einem Gericht in London zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er Teile seines Vermögens in seinem Insolvenzverfahren nicht ordnungsgemäß angegeben hatte. Er war am Donnerstag - nach 231 Tagen hinter Gittern - freigekommen.

In 4 von 29 Punkten schuldig gesprochen

Becker sagte, er habe in 4 Punkten - von 29, die ihm ursprünglich vorgeworfen worden waren - vor Gericht verloren. "Und gerade beim vierten Punkt - als ich Gelder von meinem Firmenkonto genommen habe - hat mich die Jury in London schuldig gesehen." Hinzu seien drei weitere Punkte gekommen - etwa, dass er sein Haus in Leimen, in dem seine Mutter lebt, vor seinem Insolvenzverwalter geheim gehalten habe.

Rückblickend sieht er nun auch positive Aspekte seiner Zeit in Haft: "Ich glaube, das Gefängnis war gut für mich", sagte er. "Man hat viel Zeit zum Nachdenken, ich habe meine Fehler eingesehen." Und weiter: "Ich habe über Jahre Fehler gemacht, falsche Freunde gehabt, war nicht organisiert genug." Im Gefängnis habe er sich ausgiebig mit der Lehre des Stoizismus beschäftigt und so auch Eigenschaften an sich wiedergefunden, die er als Tennisspieler gehabt habe - wie Disziplin und Präsenz im Moment. "Dieser Gefängnisaufenthalt hat mich zurückgeholt, sagte Becker. Er habe nun eine zweite Chance bekommen und es liege an ihm, diesen Weg weiterzugehen.
 

 

Becker, der deutlich schlanker aussah als noch vor der Haft, berichtete von Hungergefühlen während seines Gefängnisaufenthalts. "Ich hab natürlich sehr viel Gewicht verloren", sagte er in dem Gespräch mit Moderator Steven Gätjen. "Ich bin mit 97 Kilo ins Gefängnis gekommen und hatte dann mal knapp 90 Kilo."

»Zum ersten Mal im Leben Hunger gefühlt«

Becker fügte hinzu: "Ich hab zum ersten Mal in meinem Leben Hunger gefühlt, also bin hungrig ins Bett gegangen. Ich dachte, dass ich mit 54 Jahren schon alles erlebt habe, aber das war neu." Im Gefängnis habe er keinen Alkohol getrunken, nicht geraucht und wochen- oder vielleicht auch monatelang sehr wenig gegessen. "Also meiner Gesundheit tat der Gefängnisaufenthalt sicherlich gut." Mittlerweile seien aber wieder ein paar Kilo dazu gekommen. Zu einem Fotovergleich mit Aufnahmen von vor und nach der Haft sagte Becker: "Es ist der gleiche Mensch, aber es sind zwei verschiedene Leben."

Tränen in den Augen

Becker versuchte sich demonstrativ gefasst zu geben. Als die Sprache auf seine Partnerin Lilian kam, die am Rande des Studios saß, wurden seine Augen aber feucht. Der Tag seiner Verurteilung am 29. April sei ihr Geburtstag gewesen. Er habe seiner Partnerin offen gesagt: "Meine Liebe, Du musst nicht auf mich warten. Du bist eine junge Frau, du stehst auf eigenen Füßen in der Welt, du bist finanziell unabhängig, ich weiß nicht wie lange ich ins Gefängnis muss", sagte Becker. "Dann hat sie mich umarmt und gesagt: "Red nicht so einen Scheiß, wir schaffen das zusammen!"", berichtete Becker weiter, sichtlich um Fassung bemüht und mit Tränen in den Augen. Dann seien sie am nächsten Morgen ins Taxi gestiegen, "sind zum Gericht gefahren und waren bereit für alles."

Vor dem Richterspruch habe er auch noch ausführlich mit seinen Kindern gesprochen. Sohn Noah begleitete ihn wie Lilian beim Urteil ins Gericht. Der Ex-Tennisstar gab in dem Interview meist lange Antworten. Immer wieder trank er aus einem Glas.

Lilians Liebe als Überlebensfaktor

"Durch ihre Liebe [...] habe ich überlebt", erzählt Becker im Interview. Es verdeutlicht die enge Verbundenheit, die er gegenüber seiner Lebensgefährtin verspürt. Des Weiteren erzählt er von berühmten Persönlichkeiten, die ihm mehrseitige Briefe zusendeten. Einer davon kam von Ex-Tennis-Kollegen Michael Stich (54).

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