Ex-Tennisstar Boris Becker in Haft

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Sat.1: Haft hat Becker «wirklich mitgenommen»

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Steven Gätjen besuchte Tennisstar Becker im Gefängnis Huntercombe, um ein Exklusiv-Interview vorzubereiten. «Es war ihm extrem wichtig, klarzumachen, dass er in der Haft keinen Promibonus genossen hat.»

Vor dem Exklusiv-Interview mit Boris Becker hat Sat.1 erste persönliche Eindrücke von der Begegnung mit dem Tennisstar veröffentlicht: Moderator Steven Gätjen hat den 55-Jährigen im Gefängnis Huntercombe besucht, um das Interview vorzubereiten, das Sat.1 am Dienstag um 20.15 Uhr ausstrahlen wird. Wie Gätjen in einer Sendermitteilung vom Montag schilderte, ist ihm vor allem Beckers Beschreibung der ersten Tage im Gefängnis Wandsworth in Erinnerung geblieben. «Dort sitzen ja nicht nur Menschen ein, die finanzielle Straftaten begangen haben, sondern auch Sexualstraftäter, Mörder und Menschen, die große Raubüberfälle begangen haben. Boris Becker erzählte mir, dass er große Angst davor hatte, in einer Sammelzelle zu landen», so Gätjen.

Becker war Ende April zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden, weil er Teile seines Vermögens in seinem Insolvenzverfahren nicht ordnungsgemäß angegeben hatte. Er kam am Donnerstag frei.

Erste vier Tage Einzelhaft ohne Kontakt zur Außenwelt

In den ersten vier Tagen in Haft war der Tennisspieler laut Gätjen allein gewesen, hatte keinen Kontakt zur Außenwelt und war rund um die Uhr eingeschlossen in seiner Zelle. «Mit einer Stunde Ausgang pro Tag. Er hat in dieser Zeit noch nicht mal geduscht, weil er nicht wusste, wie und wo das dort im Gefängnis überhaupt geht. Nach diesen ersten vier Tagen in Einzelhaft war für ihn das einzige Ziel, rauszukommen und zu arbeiten. Er wollte einfach nur an die frische Luft. Er hat gesagt, er hätte alles dafür gemacht», sagte Gätjen.

Bei dem Gespräch hatte Gätjen nach eigenen Worten «den Eindruck, dass er sich die Erlebnisse der letzten Monate von der Seele reden wollte. Und es war ihm extrem wichtig, klarzumachen, dass er in der Haft keinen Promibonus genossen hat.» Er habe als Reporter das Gefühl gehabt, «dass jemand vor mir sitzt, der einen Neuanfang anstrebt».

»Darum bemüht, nicht negativ aufzufallen«

Gätjen sagte über Becker, dass man bei dem am Dienstag ausgestrahlten Interview vermutlich jemanden erleben werde, «der sehr emotional und ehrlich über seine Zeit im Gefängnis sprechen wird, der aber auch sich und seine Situation intensiv reflektiert hat. Die letzten Wochen über hat ein wahnsinniger Druck auf Boris Becker gelastet. Er ahnte zwar, dass er entlassen wird, aber sicher war das nicht. Und dieses Gefühl, dieses Hoffen, habe ihn fast kaputt gemacht, sagte er. Er hat sich dauernd darum bemüht, dass er nicht negativ auffällt, dass er sich benimmt. Aber auf der anderen Seite hat er es sich selbst verboten, zu sehr an die Freiheit zu denken, um nicht möglicherweise überheblich zu werden und damit die Entlassung zu riskieren. Diese Last wird von seinen Schultern gefallen sein, und ich glaube, dass er wirklich willens ist, aufzuräumen und viele Dinge klar zu stellen.»

 

Quelle: dpa

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