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Kreml erhöht Wachstumsprognose für russische Wirtschaft

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Trotz der Sanktionen des Westens hat Russlands Führung ihre Prognose für die Entwicklung der Konjunktur 2023 deutlich angehoben.  

"Die Wirtschaft erholt sich weiter. Wir erwarten dieses Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 1,2 Prozent", sagte Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge am Freitag auf einer Regierungssitzung. Die bisherige Schätzung hatte einen Rückgang um 0,8 Prozent vorausgesehen. Bis 2026 könnte sich laut Reschetnikow wegen der steigenden Konsumnachfrage die Wirtschaftsleistung sogar um bis zu 3 Prozent steigern. Westliche Beobachter bewerten dies zurückhaltender.

Reschetnikow zeigte sich auch optimistisch bezüglich der Reallöhne. Diese schließen die Preisentwicklung ein und steigen nach seiner Erwartung in diesem Jahr um mehr als 5 Prozent. Das liege auch an der sinkenden Inflation, die laut Ministerium auf 5,3 Prozent zurückgeht. Die Zahl der Erwerbslosen bleibt demnach auf sehr niedrigem Niveau.

Niedrige Arbeitslosigkeit ist trügerisch

Tatsächlich ist die Arbeitslosigkeit in Russland derzeit offiziell auf niedrigem Stand. Das hat allerdings damit zu tun, dass es einerseits kaum soziale Unterstützung gibt und sich so generell weniger Russen arbeitslos melden als in westeuropäischen Ländern. Zum anderen haben nach dem Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine geschätzt mehr als eine Million Russen den Arbeitsmarkt verlassen, weil sie an die Front versetzt wurden oder außer Landes gingen.

Die Grundlage für den Optimismus der russischen Regierung ist nicht völlig klar. So gehen die von Interfax befragten Analysten in ihrer Schätzung für 2023 von einem BIP-Rückgang um 1 Prozent aus. Der hohe Durchschnittspreis für Rohöl der Marke Brent, von dem Reschetnikow für das Gesamtjahr ausgeht, ist etwa für Russland nur von bedingter Aussagekraft, weil der Westen Sanktionen verhängte. Diese sehen unter anderem einen Preisdeckel für Öl und Ölprodukte aus Russland vor. Berichten zufolge ist es Russland aber immerhin teilweise gelungen, die westlichen Beschränkungen durch den Aufbau einer "Schattenflotte" und die Umlenkung der Öllieferungen nach Asien zu umgehen.

Quelle: dpa

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